Samstag, 12. August 2017

Tag 58: Überspült, unterspült und verlegt

Auf der Innsbrucker Hütte zeigt das Thermometer beim Start 0,5 Grad. PLUS. Vom Schneespuk des Vorabends ist auf Grund des zu warmen Bodens auf knapp 2.400 Metern nichts signifikantes geblieben, aber die Wolken hängen im Tal und um die Gipfel und verbreiten leichte Feuchtigkeit.



Über das Pinnisjoch steige ich über Serpentinen über einen wunderbaren Weg (augenscheinlich mit neuer Trasse vor ein paar Jahren breit angelegt) gen Norden eine Stunde hinab zur Karalm im Pinnistal.


Ab dort führt geschotterte Almstraße gen Norden aus dem Seitental hinaus in das Stubaier Haupttal östlich von Neustift. Ich passiere noch die eine oder andere Alm und auch die Stelle, wo hier die Straße mit Geröll verlegt war. Mittlerweile ist sie aber wieder befahrbar und es laufen nur noch Restarbeiten.


Bereits um 10:15 bin ich über den Talweg im Zentrum Neustifts angekommen. Von dort geht es über einen Fußweg am Fluß entlang nach Milders. Die Fluttore zu den Gärten auf der rechten Seite sind teils noch eingezogen, Reste von Sandsackbarrieren zur Erhöhung des Damms und Schlammüberspülungen sind auch hier zu sehen, auch wenn der Pegel momentan ca. 1,5 Meter tiefer im Flußbett liegt.


Nach Milders wechsle ich auf kurzes Hemd, den kurz war sogar Sonne zu sehen und es ist deutlich wärmer geworden. Wenn ich überlege, daß ich am Morgen noch mit Mütze, Handschuhen und Anorak gestartet war ...

Nun geht es das lange Seitental gen Nord-West auf Oberberg zu.

Dieses Tal war besonders stark von den Unwettern der vorletzten Nacht betroffen. Etliche (Wander)Wege sind noch gesperrt und auch an der Straße wird noch eifrig gearbeitet.

Bis zum Talschluß sehe ich sicherlich ein Dutzend stellen, wo entweder Hang auf Straße gerutscht war (schnell zu beseitigen gewesen), Fluß Straße überflutet und mit Geröll und Schlamm verlegt hatte (relativ schnell zu beseitigen gewesen, aber Flußbett muß nun wieder frei gebaggert werden) oder Fluß Straße weggerissen hat (provisorisch bereits wieder hergerichtet) oder stark unterspült hat (auf Privatstraße am Talende, noch nicht in Arbeit, sondern Straße nur halbseitig befahrbar).

Nach einer Stunde taleinwärts kehre ich in Bärenbad ein, wo auch drei Trupps der Feuerwehr Neustift und zwei Polizisten gerade verpflegt werden. Wahrscheinlich sind sie hier bei Aufräumarbeiten aktiv.

Ich bleibe sicherheitshalber immer auf der Straße, auch wenn ab und an eigentlich Wanderweg parallel auf der jeweils anderen Seite des Flußes verläuft, aber nachdem ich am Talanfang einen Blick auf Abwasserkanal und Strom-/Telefonleitungen werfen konnte, wo der reißende Strom den Waldweg zur Hälfte ca. 1,5 Meter tief weggerissen hatte, habe ich keine Lust auf Experimente.

Gegen 13:30 fängt es wieder an zu regnen :-(

Immer wieder sind Schäden der Unwetter zu sehen und teilweise hatte sich der Flußlauf auf bis zu 70 Meter Breite ausgedehnt, Bäume reihenweise mitgerissen und Felsen auf den Wiesen abgelagert.

In Oberiss endet die Straße und neben der Talstation der Materialseilbahn der Franz-Senn-Hütte beginnt der Pfad, der gemütlich zur Hütte hoch durch den Nebel führt.

Da ich seit Neustift im Stubaital bereits ca. 800 Höhenmeter gewonnen habe, verbleiben gerade mal 400 Differenz bis zur Hütte, die erst kurz vor dem Erreichen gegen 16:15 Uhr aus dem Nebel erscheint.

Das war wieder ein langer Marsch heute, aber die Wege waren unter Anbetracht der Unwetter gut gehbar und ich sollte morgen wirklich gen Norden aus dem Tal herauskommen. Es ist auch Wetterbesserung für 2-3 Tage angesagt.

Allerdings muß ich einigen auf der Hütte (den Wirt eingeschlossen) den Zahn über begehbare Wege am Stubaier Höhenweg ziehen, da mir mein Vater gestern dankenswerterweise meine Route abgeklärt hatte, aber von Pepi aus Liechtenstein mich heute im Tagesverlauf mit etwas Verspätung noch Komplettübersicht digital erreichte und die desillusionierte doch ganz ordentlich, insbesondere da Rückfrage des Wirts bei Stubaier Bergführervereinigung deckungsgleiche Informationen erbrachte:

Jubliäumsweg Bremer - Tribulaun: nicht begehbar (darüber wollte ich ursprünglich von der Torte zu den Stadtmusikanten)
Bremer - Innsbrucker: heute noch nicht empfohlen
Gschnitz - Innsbrucker: nicht mehr existent, wird wohl nächstes Jahr mit schwerem Gerät angegangen
Regensburger - Dresdner: nicht begehbar
Dresdner - Sulzenau: nicht begehbar
Tal - Sulzenau: nicht begehbar
Sulzenau - Nürnberger: nicht begehbar


Die Sulzenau-Hütte ist vermutlich in der Folge mindestens eine Woche geschlossen. Das wird die Wirtsleute extrem treffen, denn mit dem Feiertag in der kommenden Woche, gelten diese und die nächste mitten im August traditionell als die Umsatz-stärksten der Saison.
Zu bedenken ist dabei ja auch noch, daß bestimmt erst der Talzustieg wieder begehbar gemacht wird, der komplette Stubaier Höhenweg aber sicherlich noch eine ganze Weile nicht durchgängig begehbar sein wird.



Begegnungen:
1 Gams
Holländisches Pärchen
14 Feuerwehrleute + 2 Polizisten
3 Wiener: Elisabeth, Victoria, Peter (Königsfamilie ? ;-)


2.000er:
Pinnisjoch, 2.380

Kommentare:

  1. Da gehts ja ordentlich rund. Ich hoffe, du kannst einen guten Weg für dich finden.
    Lg Volker

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    1. Hallo Volker.
      Wetter hat sich (vorerst) beruhigt und ich bin von der Franz-Senn-Hütte in die Höhe bis auf über 2.800 m gestiegen, um nach Norden in Richtung Sellrain zu kommen.
      Das war kein Problem: Wasser sammelt sich ja erst tiefer zu kritischer Masse und nicht auf den Gipfeln und Kämmen.
      Schöne Grüße aus Praxmar,
      K2.

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  2. Danke für die aktuellen Informationen, hoffentlich geht's in den Niederen Tauern besser zu!
    Grüssle aus Mittelfranken :-)

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    1. Hey Neo.
      Waren nur punktuelle Extremwetterereignisse.
      Viel Spaß in den Tauern, evtl. ja auf meinen Spuren ...

      Mittelfranken ?

      Grüße aus Praxmar,
      K2.

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    2. Fragt sich wie groß der Punkt ist...
      Sind zum Paddeln auf der Altmühl.

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  3. Hallo Kai !
    ...was lese ich wenn du in Feldkirch angekommen bist ?? Deine Berichte sind einfach toll zu lesen (lebendig,sachlich,persönlich...einfach super) und sind zu einer fixen Abendlektüre geworden ... viel Erfolg noch für dein Finish...lg Peter (Hagenerhütte)

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    1. Hallo Peter.
      Schön, wieder von Dir zu hören und Danke für die Blumen!
      Bist ja ausdauernd im Dranbleiben.
      Sonnige Grüße aus dem Ötztal,
      K2.

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