Dienstag, 22. August 2017

Tag 63: In der Schule gefangen

Von Jerzens muß ich am Morgen zuerst noch ganz ins Pitztal absteigen, um den Fluß Pitze zu queren, um dann westlich am Hang gen Norden wieder aufsteigen zu können.

Über Forstwege führt mich mein Weg in einem großen Bogen nördlich um den Althag-Gipfel (1.499 Meter) herum - noch bin ich deutlich tiefer unterwegs, aber leicht ansteigend verläuft der Weg durch Wiesen und Wälder bis kurz vor Piller.

Nun gilt es etwas der Straße zu folgen, bevor kurz nach dem Pillersee (nein, NICHT dem bei St. Ulrich, sondern nur einer vergleichsweisen Schmutz-Pfütze hier im Westen Tirols) der Wanderweg durch Wald und Moor (ah, Schnaken hatte es schon lange nicht mehr und nun ein paar weniger ;-) zur Pillerhöhe führt.

Am See werde ich noch von einer Frau angesprochen, die mich für einen mutmaßlichen Judith-Rufer hält. Wie fern mir derartiges liegt. Von JUDITH mal ganz abgesehen, befindet sich meine bessere Hälfte ja nicht gerade mal auf dem gleichen Kontinent, im engeren Sinne auf gar keinem Kontinent an sich, sondern auf einer Insel, ach eigentlich habe ich sie dorthin geschickt, wo der Pfeffer (sprichwörtlich) wächst. Vielleicht rufe ich am Ziel in Feldkirch mal nach ihr :-)

Nur wenige Minuten später, sehe ich dann im Wald auf der anderen Seite des Sees den wirklichen Judith-Rufer nicht weit vom Ufer. Nun, der tiefere Sinn alle wenige Meter nach Judith zu rufen, erschließt sich mir nicht gänzlich, aber evtl. ein Problem meines fehlenden Intellekts.

Im Naturparkhaus Kaunergrat kehre ich kurz zur Stärkung ein, bevor es weiter gen Süden über eine Balkon-artig über dem oberen Inntal angelegte Nebenstraße sonnig weitergeht.


Nach etlichen Kilometern zweigt in Falpaus endlich ein wunderschöner Pfad durch den Wald steil talwärts ab. Schatten !

Das letzte Stück bis Kauns ist dann aber wieder von geteerten Hofsträßchen geprägt, wobei man hier aufpassen muß, nicht von der örtlichen Motorrollergang beim Training erfaßt zu werden, die hier röhrend (die schätzungsweise 50er-Roller ächzen mit zwei Personen beladen bergauf ganz ordentlich) auf und ab brausen.


Ab Kauns verlasse ich mich ganz auf mein GPS und gehe verschlungene Pfade durch den Wald hinab ins Kaunertal und ab der sog. Fischerranch gen Westen talauswärts.

Nun habe ich das Inntal auf unter 900 Metern erreicht und an Prutz vorbei geht es gen Süden.
Endspurt, denke ich mir. Welch Irrtum. Ich sollte noch einige Zeit unterwegs sein.
Und alles nur, weil ich eine enge Baustellenstraße vermeiden und (vermeintlich) Ortskundigen Glauben schenken wollte (bin ja ein Kai und kein Thomas).

An einer Baustelle kurz vor Ried (dem heutigen Tagesziel) frage ich die Bauarbeiter, ob es hier außer der Straße evtl. noch eine Möglichkeit gibt, zu Fuß besser nach Ried zu kommen.

Kein Problem meinen die Männer: Einfach in einem Bogen etwas zurück um das Schulgebäude gehen und dann den Rad-/Fußweg nutzen.

Gesagt getan: Schulgebäude nördlich passiert, Radweg zu sehen, ja geradezu zum Greifen nahe, nur dummerweise ist ein Zaun dazwischen. OK, Lage checken: Rechts ist ein Tor (arg, versperrt - vermutlich nur bei Schulbetrieb geöffnet), links in der Ecke provisorische Absperrung mit Baugittern. Ha, da hatte ich doch schon mal eine Situation am Ortsausgang von Knittelfeld vor vielen Wochen.
Also hinmarschiert und mit Ernüchterung feststellen müssen, daß hier jemand mit VIEL Draht SEHR konsequent war, teilweise die Drahtenden sogar abgezwickt wurden (so daß man sie nicht mehr so leicht entzwirbeln kann) und die einzige Chance die Kabelbinder wären. Aber gut, destruktiv mit Taschenmesser will ich jetzt auch nicht zu Werke gehen, aber ICH WILL ENDLICH RAUS AUS DER SCHULE.

Letztlich bleibt mir nichts weiter übrig, als den Weg bis zum Ortsausgang Prutz zurück zu gehen, zu hoffen, daß ich zwischen Freibad und Sportplatz durchkomme und wirklich, hinter zwei Ecken und einiger Ungewissheit ist hier am Sportheim das Tor zum Radweg offen.

Nach bestimmt einer verlorenen halben Stunde mit Knast-Feeling, bin ich nun also wieder zielgerichtet gen Ried im Oberinntal unterwegs, dessen Ausläufer auch schon bald erreicht sind.

Heute hatte ich nur 6,5 Stunden Gehzeit (statt 8 laut Führer), was aber nicht schadet, denn morgen steht eine richtig ordentliche Etappe an ...


Begegnungen:
6 Libellen am Pillersee
1 Dame, die mich für einen mutmaßlichen Judith-Rufer hält
1 Judith-Rufer (von Judith selbst habe ich nix gesehen und nix gehört)
1 ältere Dame aus Brüssel

Kommentare:

  1. Ob Judith vielleicht vier Beine hatte?

    Und warum nicht oben drüber, ganz nach weltraumaeffchens Art? 😉

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    1. Keine Chance: Viel zu enge Metallfelder :-(

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  2. Du musstest nachsitzen? Ich bin fern jeder Schule. Die Kinder hier allerdings auch. Deshalb sind wir auch immer schnell von einer Traube Kindern umgeben.

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