Mittwoch, 30. August 2017

Tag 71: Auf den Spuren des älteren Herrn

Kurz nach der Lindauer Hütte kommt im Sporentobeltal die Obere Sporaalpe, wo ja der Sohn der Würzburger aushilft. Ich habe zwar nicht vergessen, daß ich liebe Grüße von den Eltern ausrichten soll, aber als ich am frühen Morgen die Alm passiere, ist zwar Musik zu hören, allerdings keine Menschenseele zu sehen. Wahrscheinlich sind alle irgendwo in den hinteren Gebäuden zu Gange ...

Bald wird aus dem Fahrweg ein Pfad der zwischen den Murmeltieren hindurch, bergan zum Öfapass führt. Mit Blick auf das Joch gegenüber kann ich die Zeitangabe am Übergang bis zum Schweizer Tor kaum glauben, wobei sich das schnell aufklärt: Geradeaus gen Westen geht es nach der Zollwachhütte hinauf zum Verajoch, das Schweizer Tor - durch welches ich heute nach Süden über die Grenze gehen will - hat sich hinter den felsigen Ausläufern der Drusenfluh versteckt und ist ein, nur wenige Meter entfernter, schmaler Durchgang zwischen jener und den Kirchlispitzen, also wirklich schnell erreicht.


Auf der schweizerischen Südseite der Felskette gilt es dann erstmal einen riesigen Bogen gen Südosten am Hang entlang zu gehen und nach einer Kehre einige Höhenmeter darunter zurück, denn der direkte Weg zur Überwindung der Felsstufe ist nicht mehr markiert und als sehr gefährlich angeschrieben.


Nach Westen steigt der Weg dann zum nächsten möglichen Übergang, dem Cavelljoch an, das von mir dann mit Blick hinab auf den Lüner-Stausee in Österreich gequert wird.


Die Sonne brennt heute richtig vom Himmel und so bin ich nach einer weiteren Pause froh, jetzt dem Rätikon-Höhenweg-Süd (deckungsgleich zur Via Alpina) weiter am Hang entlang, insgesamt leicht absteigend folgen zu können.


1,5 Kilometer vor der Schesaplana-Hütte, dem heutigen Ziel, bekomme ich, nach mehreren vergeblichen Versuchen seit gestern Morgen, auch endlich mal die Reservierungs-Webseite der Hütte MIT Inhalt zu Gesicht:
OK, Zimmer alle voll, noch 4 Lagerplätze verfügbar.
Oh, Online-Reservierung nur bis 18 Uhr des Vortages möglich.
*Argh*

Als ich wenig später an der Hütte ankomme, ist die Niederösterreicherin an der Theke aber ganz entspannt: Sie kriegen mich schon noch unter, sie weiß nur NOCH nicht wo. Das ist für mich natürlich kein Problem, also Rucksack erstmal im Nebengebäude in der Nähe der Schuhe geparkt.
Als sie hört wo ich zu Fuß herkomme, erzählt auch sie mir (wie beispielsweise schon die Chefin in Praxmar), daß unlängst ein älterer Herr aus dem Burgenland (ja, genau, der mit der Augenverletzung) hier vorbei gekommen ist.
Interessant: Der Herr ist also im zweiten Abschnitt wahrscheinlich auf der 02A-Route gegangen (da ich dort auf der Hauptroute zumindest nichts von ihm gehört habe) und hier, augenscheinlich genau wie ich, in die Schweiz, kurz abseits des 02ers gewechselt, um die Schesaplana zu umgehen.

Zwei Damen aus der Pfalz (eine ursprünglich aus dem Großen Walsertal stammend) sind auch schon am frühen Nachmittag hier (Respekt: sie sind den 1.000-Hm-Knochenbrecher-Weg direkt von der Schesaplana abgestiegen und irgendwie stöhnen alle, die diesen Weg gegangen waren). Sie machen jedes Jahr mindestens eine Mehrtages-Hüttentour und wir sind uns einig, wie erholsam das unmittelbar ist. Eine der beiden spendiert mir vor der netten Unterhaltung sogar noch eine überzählige Duschmarke. - Ich hoffe, ich hatte es nicht gar so nötig ;-)

Was auf der Theke wie ein gedeckter Apfelkuchen aussieht, wird mir als Bündner Nußtorte vorgestellt. OK, probiere ich auch. Der Kuchen entpuppt sich als die erste mir bekannte und zu meinen subjektiven Vorlieben kompatible Form der Verarbeitung von ganzen Walnüssen. Den mir alternativ für etwas später (noch im Ofen) in Aussicht gestellten Kuchen mit Pflaumen, ordere ich gleich mal präventiv, vorab additiv für den Zeitpunkt unmittelbar nach verlassen des Rohrs :-)

Derart gestärkt halte ich sicher bis zum Nachtessen durch, auf meiner ersten Hütte einer Sektion (Pfannenstiel) des Schweizer Alpenvereins (SAC/CAS). Nur eine Sache habe ich auch nach Internet-Recherche noch nicht endgültig verstanden: "Die Schesaplanahütte ist keine offizielle schweizerische SAC Hütte, sondern eine sektionseigene SAC Hütte."

Für das Abendessen nimmt die Wirtin noch mehrere Umsetzungen vor (ich allein wechsle vier Mal den Platz - ist mir aber völlig egal, solange ich etwas zu Essen bekomme - SONST könnte ich wirklich unentspannt reagieren ;-), damit letztlich alle Gäste auf der Terrasse auf gut 1.900 Metern am Südhang einen Sitzplatz haben und dann werden wir mit drei Gängen versorgt.


Begegnungen:
4 Murmeltiere
1 Alpensalamander
1 Birkhuhn
2 Damen aus Landau aus der Pfalz (Sieglinde und Tatjana)


2.000er:
Öfapass, 2.291
Schweizer Tor, 2.137
Cavelljoch, 2.239

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen