Als der Hüttenwirt die Folie von der Schüssel nimmt und mir in einem Nebensatz erläutert, WAS er da gerade freigelegt hat, bin ich schon vor dem Probieren begeistert.
Seit meinem Friga-Erlebnis 2014 auf der Klagenfurter Hütte (Graz-Monaco, Tag 14) habe ich nichts annähernd ausgefallenes auf einer Hütte zum Frühstück bekommen. Und lecker ist es (natürlich - ich habe hier nichts anderes erwartet). Schmeckt wie bei Muttern, einzig ein kleines organisatorisches Manko besteht: Anzahl an Nelken, Lorbeerblättern, Wacholderbeeren und hier zusätzlich Pfefferkörnern ist unbekannt.
Aber meinem Vater hätten die einmanierten Heringe zum Frühstück zu 100% auch gemundet. Ah, lecker - und die Mutter hätte wohl wie erwähnt die Krise geschoben ;-)
Nach solch einem Frühstück kann der Tag nur gut werden: Wie am Vortag ist blauer Himmel und Sonne angesagt, allerdings soll es am Nachmittag Wärmegewitter geben.
Ich starte kurz vor den 7 Hannoveranern, denen sich wohl der österreichische Senior anschließt. Wir alle wollen heute zur Franz-Fischer-Hütte.
Über einen schönen Steig durch Alm- und lichtes Waldgelände geht es hoch auf eine Art Hochplateau, über das auch Stromtrassen die Tauern überqueren. Unten im Tal sieht man das Nordportal des Tauerntunnels und die Autos wirken wie Spielzeug.
In der Ferne ist bereits die Taferlscharte zu sehen. Kurz vor mir sehe ich zwei Wanderer hochsteigen. Als ich auf dem Übergang ankomme, rasten Bruno und seine Frau aus Bischofshofen und wir kommen ins Gespräch. Über dies und das, über deren Sohn, der Bergführer ist und lange Jahre in der Schweiz war, letztlich quatschen wir eine knappe dreiviertel Stunde bis die anderen da sind und sich wundern, daß ich immer noch hier bin.
Hoffentlich wird mir das am Nachmittag mit den angekündigten Gewittern nicht zum Verhängnis.
Von der Scharte geht es steil bergab und dann am Hang entlang auf die Entlüftungstürme des Tauerntunnels zu, die der Pfad aber im Bogen umgeht.
Der Rothenwändersee wird nur tangiert und schließlich geht es mit Blick auf den Schlierersee im Tal zur Jakoberalm hinab.
Die Alm sieht so urig aus, ist gut besucht und die Bewirtung durch zwei Mädels war mir so empfohlen worden, daß ich nicht einfach vorbeigehen kann - Gewitter hin oder her.
Einen Apfelstrudel, zwei selbst gemachte Orangenlimonaden und die Begegnung mit Uschi und Hazem aus Saalfelden später mache ich mich auf den Endspurt. Noch knapp zwei Stunden sollen es zur Franz-Fischer-Hütte sein.
Nach 15 Minuten habe ich die beiden Saalfeldener fast eingeholt und pünktlich um 14 Uhr ist der erste Donner zu hören und die schwarzen Wolken im Süden drohen unweit.
Ich lege an Tempo zu, um die letzten Aufstiegsmeter und knapp vier Kilometer möglichst schnell, trocken und am Leben zu absolvieren.
Das Gewitter kommt näher, aber außer ein paar Tropfen erwischt mich nichts und um kurz nach drei habe ich die Hütte erreicht. Uschi und Hazem kommen 35 Minuten später auch noch trocken an und der Regen bricht erst später los.
Die Hütte hat nur 36 Schlafplätze und ich werde wohl der erste sein, der hier ein Notlager bei der neuen Wirtin erhält. Der Platz des Notlagers und die Vorstellung dort noch eine Matratze hin zu bekommen, begeistert, denn aus meiner Sicht der beste Platz in der ganzen 2013 neu gebauten Hütte.
Auch die Dusche mit Panoramafenster in die Berge weiß zu begeistern.
Die Hannoveraner rufen einige Zeit später an, daß sie nicht kommen, sondern auf der Jakoberalm beleiben werden. Nun muß ich doch (leider) ins normale Lager.
Mit Uschi und Hazem wird es dann recht spät: Nach 25 Jahren spiele ich mal wieder Canasta. Der Erfolg ist quasi mittelmäßig :-)
Begegnungen:
Bruno und Frau aus Bischofshofen
Schneehuhn mit fünf halbstarken
Uschi und Hazem aus Saalfelden
Evelyn, die neue Hüttenwirtin (vorher auf Passauer Hütte)
2.000er:
Taferlscharte, 2.236
Rothenwändersee, 2.030
Essersee, 2.087




